Funktional, Flexibel, Mobil: Tabletklassen unter der Lupe

Funktional, Flexibel, Mobil: Tabletklassen unter der Lupe
15
Feb

Während die Notwendigkeit von digitaler Bildung inzwischen als Konsens gelten darf, wird deren konkrete technische Umsetzung unterschiedlich gehandhabt. Eine zentrale Frage ist hierbei oft, ob es eigene Endgeräte für Schülerinnen und Schüler geben soll oder nicht.

 

Reicht ein interaktives Whiteboard um digitale Kernkompetenzen zu vermitteln? Die Reaktionen der #excitingEDU Community auf unseren Artikel zu digitalen Tafeln waren eindeutig: Nein! Neben einer großen digitalen Arbeits- und Projektionsfläche seien vor allem individuell nutzbare Geräte vonnöten, so der (fast) einhellige Tonus unserer Leserinnen und Leser.

Die klassischen Computerräume können diese Funktion indes nicht erfüllen, da sie meistens in zu geringer Anzahl existieren und aufgrund ihrer starren räumlichen Anordnung wenig Interaktion ermöglichen. Vielmehr braucht es mobile Endgeräte, die sich (relativ) ortsunabhängig nutzen lassen, um alle zur Verfügung stehenden Räume nutzen zu können.

Große Funktionalität bei hoher Flexibilität

Anfangs wurden daher häufig Laptops eingesetzt, die aufgrund der geringeren Größe flexibler einzusetzen waren als die Desktop-PCs der Computerräume. Kurze Akkulaufzeiten und der damit einhergehende große Bedarf nach Steckdosen machten aber auch diese Lösung unattraktiv. Mit der Einführung des iPads im Jahr 2010 sollte sich dies ändern.

Das kleine Gerät kombinierte die Flexibilität und Bedienungsmuster eines Smartphones mit der Bildschirmgröße eines kleinen Laptops. Der Begriff „Tablet“ wird unter anderem als „Schreibtafel“ übersetzt – womit auf etymologischer Ebene eine direkte Verbindung zu den kleinen analogen Tafeln, die in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in Schulen verwendet wurden, besteht. Ähnlich wie diese, lassen sich auch die digitalen Mobilgeräte leicht in den Unterricht integrieren.

Im Vergleich zu ihren analogen Vorgängern verfügen Tablets jedoch über eine weitaus größere Bandbreite an Funktionen und Einsatzmöglichkeiten. Neben dem klassischen Schreiben und Dokumentieren, ersetzen sie auch Taschenrechner, Schulbuch, Lexikon, Hausaufgabenheft und audiovisuelle Abspielgeräte. Der Rucksack der Schülerinnen und Schüler wird also leichter, ihr Pult übersichtlicher.

Zudem sind die meisten Schülerinnen und Schüler bereits an die Nutzung von Smartphones und Tablets gewöhnt, sodass sie diese bereits intuitiv bedienen können. Eine lange Eingewöhnungszeit entfällt.

Keine Attraktion, sondern Mittel zum Zweck

Auch wenn Funktionalität und Flexibilität für den Einsatz von Tablets sprechen, sollte im Vorfeld ein klares didaktisches Konzept entwickelt werden. Die Geräte sollen – wie Füller oder Heft – Mittel zum Zweck und keine pure Attraktion sein. Daher ist es sinnvoll, sich vor der Einführung mit einigen Kernaspekten auseinanderzusetzen: Wie lassen sie sich inhaltlich in den Unterricht integrieren? Welche Funktionen können sinnvoll genutzt werden? Wie lassen sie sich mit dem Medienkonzept (wenn vorhanden) der jeweiligen Schule vereinbaren? Welchen Mehrwert bieten sie gegenüber bestehenden Lehr- und Lernmethoden? Welche Lehr- und Lernmaterialien sind verfügbar?

Sind diese Fragen geklärt, kann gemeinsam mit der Klasse ein Nutzungskodex entwickelt werden. Hiermit kann beispielsweise geregelt werden, wofür die Tablets genutzt werden, worauf Schülerinnen und Schülerbei der Nutzung achten sollen oder wie mit Problemen umgegangen wird. Die meisten Anbieter von Tabletklassen-Systemen ermöglichen es den Lehrenden zusätzlich als Administratoren aufzutreten. In dieser Rolle können sie unter anderem bestimmen, welche Apps heruntergeladen und benutzt werden können, Zugänge (zeitlich) beschränken oder die Internetfunktion abschalten. Somit kann eine unterrichtsrelevante Nutzung gewährleistet werden.

Voraussetzungen und Nutzungsmodelle

Zwar lassen sich Tablets durchaus auch im Offline-Modus betreiben, ihr volles Potential entfalten sie aber erst mit einer Internetverbindung. Ein Breitbandinternetanschluss und eine stabile WLAN-Abdeckung sollten daher im Idealfall gegeben sein.

Hinzu kommt die Entscheidung für ein Finanzierungs- und Nutzungsmodell. Je nach Modell und Hersteller können die mobilen Endgeräte zwischen 250 und 700 Euro kosten und sind damit nicht für alle Eltern erschwinglich. Monatliche Finanzierungsmodelle oder die Trägerschaft durch einen Förderverein können hier hilfreich sein. Häufig kommen auch Rent-Your-Own-Device-Modelle (RYOD) zum Einsatz, bei denen ein aktuelles Gerät für einen festen monatlichen Betrag gemietet und nach einer vorher vereinbarten Frist zurückgegeben oder gegen ein neueres getauscht werden kann. Bring-Your-Own-Device-Ansätze (BYOD) sind hingegen schwerer zu verwirklichen, da nicht alle Schülerinnen und Schüler über Tablets verfügen und diese häufig unterschiedliche Betriebssysteme verwenden.

Neben dem persönlichen Tablet, das die Lernenden auch außerhalb der Schule nutzen können, gibt es auch sogenannte Tablet-Koffer, in denen die mobilen Endgeräte außerhalb des Unterrichts gelagert werden können. Diese haben den Vorteil, dass die Geräte miteinander synchronisiert und aufgeladen werden können. Neue Apps werden zentral aufgespielt, die Geräte regelmäßig gewartet.

Nur effektiv mit didaktischem Konzept

Tabletklassen können durch ihre Flexibilität ein sinnvoller Teil einer ganzheitlichen digitalen Bildungsstrategie sein. Sie ermöglichen den Schülerinnen und Schüler eine individuelle Auseinandersetzung mit den Nutzungsmustern des digitalen Endgeräts und befähigen diese dazu, es für ihre Zwecke einzusetzen. Damit dies gelingen kann, braucht es ein didaktisches Konzept, dass im Vorfeld klar definiert, wie und zu welchem Zweck die kleinen Touchcomputer eingesetzt werden und welchen Mehrwert ihr Einsatz erbringt.

Tobias Börner