Rechtsextremismus als Unterrichtsthema

Rechtsextremismus als Unterrichtsthema
26
Jan

Die Enthüllungen des Recherchezentrums CORRECTIV über die geheimen Pläne einiger Rechtsextremer und AFD-Anhänger zur Remigration von Menschen mit Migrationshintergrund haben Anfang dieses Jahres das Land erschüttert.

Sie sind ein besorgniserregender Angriff auf Demokratie und Vielfalt, der auch viele Schüler:innen sehr beschäftigt. Dementsprechend sind Rechtsextremismus, seine Geschichte in Deutschland und die Gefahren, die von ihm ausgehen, auch ein Thema für den Schulunterricht.

Rechtsextremismus im Unterricht adressieren

Um dieses komplexe Thema adäquat adressieren zu können, muss man sich über dessen Wirkmechanismen bewusst sein. Denn Rechtsextremismus in der heutigen Zeit manifestiert sich auf vielfältige Weise.

Obwohl sie nicht überall offen auftreten, sind rechtsextreme Gruppierungen in Deutschland keine Randerscheinung. Sie verfolgen eine menschenverachtende Propaganda und nutzen öffentlichkeitswirksame Aktionen, um Anklang zu finden, sogar in der sogenannten „Mitte“ der Gesellschaft.

Ihre Strukturen sind gut organisiert und nutzen vor allem die Möglichkeiten des Internets.
Obwohl rechtsextreme Parteien schon seit der Gründung der Bundesrepublik existieren, bilden sie nicht das gesamte Spektrum am rechten Rand ab.

Neue Strukturen seit den 90er-Jahren

Seit den 1990er Jahren hat sich ein Netzwerk von selbstständigen „Kameradschaften“ entwickelt. Diese Aktivist:innen des „nationalen Widerstands“ agieren häufig anonym und verwenden geschickt jugendkulturelle Symbole. Ein beträchtlicher Teil dieser Szene ist gewaltbereit, wie die Morde des Terrornetzwerks Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) gezeigt haben.

Neuere rechtsextreme Gruppierungen wie die „Identitäre Bewegung“, tarnen sich geschickt als harmlose Protestgruppen, um gezielt junge Menschen anzusprechen und in gesellschaftliche Debatten einzugreifen. In den letzten Jahren haben Rechtsextreme verstärkt das Thema Flucht und Migration genutzt, um Hass auf Geflüchtete sowie auf Personen der politischen und medialen Öffentlichkeit zu schüren.

Rechtsextremismus tritt in verschiedenen Formen auf, sei es als Partei oder als rechtsautonome Gruppe, im Internet oder in lokalen Aktionen, im Sportverein oder bei Auftritten von rechtsextremen Musikgruppen. Ihnen allen ist ein menschenverachtendes Weltbild und die Ablehnung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gemeinsam.

Gefahren durch das Internet

Das Internet bietet rechtsextremen Gruppen ein ideales Propagandamedium. Um Jugendliche anzusprechen, nutzen sie verstärkt Soziale Netzwerke, Messenger-Dienste und Videoplattformen, da diese stark von jungen Menschen genutzt werden. Hier können sie mit vergleichsweise geringem Aufwand über selbst produzierte Inhalte viele User erreichen, ihre Ideologie verbreiten und neue Anhänger gewinnen.

Obwohl die Internetpräsenzen von Rechtsextremen oft harmlos, modern und jugendlich wirken, bleibt die dahinterstehende Ideologie stets dieselbe: antidemokratisch, fremdenfeindlich und rassistisch. Rechtsextreme präsentieren sich bewusst jung und im Trend. Die Mechanismen sind derart raffiniert, dass selbst Erwachsene sie auf den ersten Blick nicht durchschauen können. Insbesondere Jugendliche, die noch auf der Suche nach ihrer eigenen Identität und einem (politischen) Weltbild sind, werden leicht beeinflusst.

Die Angebote von Rechtsextremen wählen ein eher bürgerliches Erscheinungsbild, greifen Themen auf, die Jugendliche ohnehin interessieren, wie Tier- und Umweltschutz, Musik und Sport. Sie bieten eine Erlebniswelt und ein Zugehörigkeitsgefühl durch rebellische Aktivitäten und Mitmach-Aktionen. Unbemerkt vermitteln sie so rechtsextreme Inhalte an junge Menschen.

Schulischer Unterricht muss Mechanismen aufzeigen

Im schulischen Unterricht reicht es daher nicht mehr aus, den Nationalsozialismus nur im historischen Kontext zu behandeln. Aufgrund der subtilen, allgegenwärtigen und scheinbar jugendnahen Methoden rechtsextremer Gruppen ist es entscheidend, Jugendlichen Instrumente zu vermitteln, um entsprechende Inhalte zu erkennen und die dahinterstehenden Botschaften zu entlarven.

Dies kann im Geschichtsunterricht sowie in den Fächern Politik, Sozialkunde, Gemeinschaftskunde und Ethik geschehen. Nur wenn dieser Unterricht zudem vermittelt, dass man dem Rechtsextremismus mit Zivilcourage auf der Grundlage demokratischer Werte entgegentreten sollte, wird die rechtsextreme Meinungsmache ins Leere laufen.

Um gegen rechtsextreme Agitation vorzugehen, sind neben Engagement auch Informationen und pädagogisch aufbereitetes Material erforderlich.

Ein Beitrag von Tobias Schiller