Ein kurzer Blick auf Snapchat vor der ersten Stunde, das Teilen von Fotos oder der Austausch von Lernmaterial und Links am Nachmittag: Digitale Medien sind aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Ständige Erreichbarkeit ist für die heutige Generation schlichtweg zur Normalität geworden. Das Smartphone ist kein störender Fremdkörper, sondern die digitale Verlängerung ihres sozialen und schulischen Lebens. Doch wie prägt diese neue Realität den heutigen Schulalltag?
Ein Beitrag von Tom Mittelbach
Handynutzung von Jugendlichen: Was die Zahlen zeigen
Ein Blick auf die Zahlen der JIM-Studie 2025 verdeutlicht diesen Wandel: Die Handynutzung von Jugendlichen beläuft sich durchschnittlich auf knapp vier Stunden täglich. Die Bildschirmzeit ist jedoch längst nicht mehr nur reine Freizeit. Soziale Netzwerke und Messenger sind primäre Kommunikationsräume, über die sich junge Menschen organisieren, austauschen und zunehmend auch informieren.
Für Schülerinnen und Schüler ist es völlig selbstverständlich, immer erreichbar zu sein – sei es für Nachfragen zu den Hausaufgaben in der Klassengruppe oder für den ständigen Kontakt mit der Peergroup.
Diese ständige Erreichbarkeit und der Fluss an schnellen Reizen fordern die Konzentrationsfähigkeit im Unterricht heraus. Die Wahrnehmung hat sich an kurze Formate gewöhnt, daher braucht das Durchhalten bei komplexen Aufgaben im 45-Minuten-Takt bewusste Übung.
Gleichzeitig zeigt die aktuelle JIM-Studie aber auch eine erfreuliche Entwicklung im Medienbewusstsein: Zwei Drittel der Jugendlichen genießen es bewusst, auch mal offline zu sein. Die Heranwachsenden entwickeln Schritt für Schritt ein Gespür dafür, wann die digitale Vernetzung guttut und wann eine Pause nötig ist, um Abstand zu haben und Energie zu tanken. Auch die JIMplus-Studie 2026 des mpfs bestätigt dieses beginnende Umdenken: Fast die Hälfte der Nutzenden beneidet Generationen, die ohne Social Media aufgewachsen sind. Für alle wichtigen Plattformen empfiehlt die Mehrheit der Nutzenden zudem ein höheres Einstiegsalter, als sie es selbst hatten – bei TikTok trifft das auf rund zwei Drittel zu.
Digitale Medien: Chancen und Risiken zugleich
Die Auswirkungen des digitalen Alltags auf die mentale Gesundheit Jugendlicher sind vielschichtig.
Neben Risiken wie Orientierungsdruck, ständiger Erreichbarkeit (FOMO) oder digitalen Gewaltformen wie Cybermobbing ist die Nutzung sozialer Medien vor allem eines: gelebte Sozialisation. Messenger und Plattformen sind für Jugendliche zentraler Raum für Beziehungsarbeit, Peergroup-Support und gesellschaftliche Teilhabe.
Sie erweitern den physischen Schulhof um einen digitalen Interaktionsraum, in dem Identität ausgehandelt und gegenseitige Hilfe, auch bei schulischen Fragen, ganz organisch stattfindet.
Soziale Medien im Schulalltag: Eine Aufgabe für die ganze Schule
Für den Unterricht bedeutet die digitale Transformation eine große Chance zur Modernisierung, sie ist auch eine Herausforderung und Aufgabe für die Lehrkräfte und die Bildung im Ganzen, die KMK schreibt: „Digitalität geht mit vielfältigen Veränderungen der Kommunikationspraxis, der sozialen Strukturen und der Identitätsmodelle sowie mit der Mediatisierung und der Visualisierung von Lerngegenständen einher und wird von neuen Handlungsroutinen geprägt, die schon für Unterrichtsprozesse ab Beginn der Primarstufe relevant sind.“³
Medienkompetenz und Faktenchecks im Unterricht
Soziale Medien dienen für viele Lernende auch als Nachrichtenquelle, daher muss die gemeinsame Einordnung von Informationen, Faktenchecks und KI-Tools in den Fokus des Unterrichts rücken.
Nach der JIM-Studie nutzen zum Beispiel 48 % der 16- bis 19-Jährigen Influencerinnen und Influencer als Informationsquelle, auch das muss im Unterricht behandelt werden.
Lern-Apps und Erklärvideos sind im Schulalltag präsent – das ist gut und richtig. Der entscheidende Schritt ist es aber, dass wir aufhören müssen, Digitalität nur als Werkzeug zu verstehen, und anfangen, sie als grundlegende Lebensrealität im Unterricht mitzubedenken.
Fazit: Medienkompetenz stärkt den Schulalltag
Soziale Medien und ständige Erreichbarkeit sind die Normalität, in der die heutige Jugend aufwächst.
Anstatt diese Realität zu ignorieren, muss die moderne Schule die Chancen der Bildung in einer digitalen Welt nutzen und Schülerinnen und Schüler wie auch Lehrkräfte dabei begleiten, eine souveräne Handlungskompetenz in einer digital geprägten Welt zu entwickeln.
Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen fördern: Was Lehrkräfte konkret tun können
Die gute Nachricht: Es braucht keine aufwendige Zusatzausbildung, um hier wirksam zu werden. Drei Bausteine helfen im Schulalltag bereits spürbar weiter:
Reflexion statt Reglementierung. Statt feste Nutzungsregeln aufzustellen, hilft es, Schülerinnen und Schülern regelmäßig reflektieren zu lassen: Wie viel ihrer Social Media-Zeit ist bewusst gewählt, wie viel läuft automatisiert nebenher? Diese Art der Selbstbeobachtung funktioniert unabhängig davon, wie die Handynutzung im jeweiligen Bundesland geregelt ist. Der Fokus liegt auf dem Verhalten außerhalb des Unterrichts, nicht auf dem Gerät im Klassenzimmer.
Inszenierung sichtbar machen. Gemeinsam anschauen, wie Bildbearbeitung, KI-generierte Bilder und Influencer-Content entstehen, schärft den Blick für Inszenierung oft wirksamer als abstrakte Faktenchecks. Wenn Schülerinnen und Schüler einmal selbst nachvollzogen haben, wie viele Arbeitsschritte hinter einem scheinbar spontanen Foto stecken, verändert das den Blick auf die eigene Social Media-Nutzung nachhaltig.
Werte und Stärken statt nur Risiken benennen. Statt nur vor Gefahren zu warnen, hilft es, mit der Klasse gezielt über persönliche Werte, individuelle Stärken und das eigene Selbstbild zu sprechen. Dieser positive Gegenpol zur reinen Risikoaufklärung stärkt die Selbstakzeptanz und macht Schülerinnen und Schüler widerstandsfähiger gegenüber Vergleichsdruck und Inszenierung.
Genau diese drei Ansatzpunkte bilden auch den Kern der beiden Projekttage des Präventionsprogramms #lassbewusstmachen der IKK classic: Lehrkräfte bekommen dafür fertige Materialien und Methoden an die Hand und setzen sie mit wenig Zusatzaufwand direkt im Unterricht um.
Wer sich vorab ein genaueres Bild davon machen möchte, wie das in der Praxis aussieht, kann das in unseren kostenfreien Webinaren tun: Dort geben wir euch einen direkten Einblick in Methoden und Materialien und beantworten Fragen aus dem eigenen Schulalltag.
In Kooperation mit

Die Webinare
Webinar 1 am 9. November 2026, 16:00 – 17:30
Psychische Gesundheit im digitalen Alltag Jugendlicher – Einblicke in die Projekttage #lassbewusstmachen
Referent: Tom Mittelbach
Hier zu Webinar 1 anmelden
Webinar 2 am 16. November 2026, 16:00 – 17:30
Psychische Gesundheit im schulischen Alltag gezielt fördern – Gesundheitsprävention mit #lassbewusstmachen
Referentin: Valesca Modery
Hier zu Webinar 2 anmelden
