Warum es ein Schulfach KI braucht

Warum es ein Schulfach KI braucht
29
Sep.

Seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 ist generative Künstliche Intelligenz (KI) gesellschaftsfähig geworden, und das in einem Tempo, das kaum ein anderer Trend zuvor hingelegt hat. Kinder und Jugendliche nutzen KI längst nicht mehr nur zum Ausprobieren, sondern ganz selbstverständlich für Hausaufgaben, Vorträge und das Vorbereiten auf Klassenarbeiten. Aktuelle KI-Systeme führen nicht mehr nur Prompts aus, sie übernehmen mehrstufige Aufgaben eigenständig, buchen, recherchieren und handeln. Genau diese wachsende Autonomie macht ein Grundverständnis von KI so wichtig. Wofür ist Schule da, wenn nicht dafür, junge Menschen auf die Welt vorzubereiten, in der sie tatsächlich leben? Schule, die ihrem Auftrag also treu bleiben will, kommt an KI nicht mehr vorbei.

Ein Beitrag von Silke Panten

„KI-Kunde“ in Thüringen

In Thüringen hat die Klosterschule Roßleben als eine der ersten deutschen Schulen überhaupt das Pflichtfach „KI-Kunde“ für die Klassen 5 bis 8 eingeführt, mit dem Ziel, es bis Klasse 12 auszubauen. Landesweit ist KI in Thüringen dagegen bislang Teil des Medienbildungs- und Informatikunterrichts, verstärkt ab Klasse 7 und 8. Seit April dürfen Lehrkräfte zudem offiziell den datenschutzkonformen Chatbot AIS.chat nutzen, inzwischen setzen ihn 55 Prozent der Schulen ein.

Deskilling vorbeugen

Bundesweit zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Obwohl mit dem AIS.chat oder fobizz deutlich mehr bildungsspezifische LLM-basierte Anwendungen zur Auswahl stehen als noch vor einem Jahr, sind die Schulen noch immer stark von generativen KI-Tools wie ChatGPT geprägt. Am Ende entscheidet unabhängig vom eingesetzten Tool die Kompetenz, ob KI das Lernen unterstützt oder Schüler:innen Denkprozesse komplett an die KI abgeben.

Der „Trendmonitor 2026 – KI in der Bildung“ der Deutsche Telekom Stiftung liefert dafür aktuelle Belege: Medienkompetente Schüler:innen profitieren der Studie zufolge deutlich stärker von KI, während Lernende mit geringeren digitalen Kompetenzen eher Gefahr laufen, sie aus reiner Bequemlichkeit zu nutzen, ein Risiko, das als Deskilling und Skill Skipping bezeichnet wird. Genau diese Kluft, zwischen denen, die KI kompetent nutzen, und denen, die sich von ihr abhängig machen, ist ein starkes Argument dafür, KI nicht länger dem Zufall einzelner Lehrkräfte oder Schulen zu überlassen, sondern verbindlich im Lehrplan zu verankern.

Hessen macht den ersten Schritt

Hessen macht als erstes Bundesland vor, wie es flächendeckend geht: Ab dem Schuljahr 2027/28 wird das Fach „KI und Digitale Welt“ in Klasse 5 verpflichtend eingeführt, ein Jahr später folgt Klasse 6. Vermittelt werden mit einer Wochenstunde Medienbildung, Informatikwissen und der Umgang mit KI, ergänzt um Wirtschafts- und Verbraucherbildung.

Zwei Jahre später, ab 2029/30, soll dieselbe einstündige Pflichtstunde auch an Haupt- und Realschulen in den Klassen 7 und 8 sowie an Gymnasien in den Klassen 9 und 10 ankommen. Hessen ist damit das erste Bundesland mit einem eigenständigen KI-Schulfach, längst überfällig, wenn man bedenkt, wie selbstverständlich Schüler:innen die Technologie längst nutzen.

Die Hürden auf dem Weg

Dass nicht mehr Länder sofort nachziehen, liegt an einigen handfesten Hürden: Es fehlen ausgebildete Lehrkräfte, weshalb Hessen eigens neue Stellen schafft. Es fehlt ein abgestimmtes Curriculum, das dem Tempo der KI-Entwicklung folgen kann, ohne laufend veraltet zu sein. Und weil Bildungspolitik Ländersache ist, entscheidet jedes Bundesland einzeln, was zu einem Flickenteppich an Lösungen führt statt zu einem gemeinsamen Standard. Keine dieser Hürden ist unüberwindbar, sie erfordern nur den politischen Willen, den Hessen als Erstes aufgebracht hat. Und wer sie nimmt, bereitet unsere Schüler:innen von heute endlich auf das Leben von morgen vor.