Australien hat es im Dezember 2025 als erstes Land der Welt gewagt und ein Verbot von Social Media für unter 16-Jährige eingeführt. Deutschland diskutiert seither, ob es diesen Schritt ebenfalls gehen sollte. Kein Wunder: Deutsche Jugendliche geben an, dass Social Media ein elementarer Bestandteil ihres Alltags ist; mehr als vier Stunden verbringen sie laut JIM-Studie im Schnitt täglich vor dem Smartphone-Bildschirm. Allerdings wurden Altersgrenzen auch in anderen Bereichen schon immer umgangen. Ein Verbot allein wird voraussichtlich also wenig ändern. Die eigentliche Frage ist daher eine andere: Wie lernen junge Menschen, souverän mit diesen Plattformen umzugehen?
Ein Beitrag von Silke Panten
Was die Politik plant
Bereits 12- bis 13-Jährige scrollen durch TikTok-Feeds, schauen YouTube-Videos, chatten auf Snapchat und stoßen dabei mitunter auf Inhalte, die weit über ihr Alter hinausgehen. Trotzdem interessiert viele Jugendliche ein generelles Verbot kaum – eine bessere Plattformgestaltung dagegen schon.
Eine von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) eingesetzte Expertenkommission hat nun 56 Handlungsempfehlungen vorgelegt. Einig ist sich die Kommission: Die Plattformen müssen stärker in die Pflicht genommen werden. Nicht das Verhalten der Nutzenden, sondern die Algorithmen und Endlos-Feeds sind das eigentliche Problem, weil sie auf möglichst lange Verweildauer ausgelegt sind. Für eine konkrete Altersgrenze gibt es zwei Varianten: entweder ein generelles Verbot für Kinder bis einschließlich zwölf Jahren oder keine feste Altersbeschränkung, dafür aber altersabhängige Einschränkungen auf den Plattformen.
Der rechtliche Rahmen – und seine Grenzen
Auf europäischer Ebene gilt seit Februar 2024 der Digital Services Act (DSA), der für alle großen Plattformen verbindliche Jugendschutzpflichten vorschreibt. Plattformen wie Instagram, TikTok und Snapchat müssen nach Art. 28 DSA geeignete Maßnahmen ergreifen, um ein hohes Maß an Privatsphäre, Sicherheit und Schutz für Minderjährige zu gewährleisten; profilbasierte Werbung für Minderjährige ist generell verboten. In Deutschland ist die Bundesnetzagentur als nationaler Koordinator für digitale Dienste zuständig, ergänzt unter anderem durch die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ). Der Haken: Die Sitze der großen Plattformen wie Meta, TikTok und Snapchat befinden sich nicht in Deutschland, ein rein nationales Verbot stößt hier an strukturelle Grenzen. Zudem könnten Kinder und Jugendliche bei Altersverifikationen falsche Angaben machen oder auf andere Plattformen ausweichen. Hinzu kommt: Je genauer die Verifikation, desto mehr sensible Daten werden gesammelt, was neue Risiken schafft.
Schule statt Verbot – der Social-Media-Führerschein
Ob und wie Techkonzerne neue Vorschriften wirklich umsetzen, bleibt abzuwarten. In der Zwischenzeit sind es die Lehrkräfte, die auffangen, was die Plattformen nicht regeln, denn Medienkompetenz ist kein Selbstläufer; sie muss gelehrt, geübt und reflektiert werden. Dafür gibt es bereits Materialien, Konzepte und erprobte Ideen. Hier eine Auswahl:
- Medienführerschein Bayern: Die Medienführerschein-Werkstätten bieten strukturierte Unterrichtseinheiten für Schüler:innen ab der Klassenstufe 3 bis zu beruflichen Schulen, unter anderem zu Gefahren im Netz, Glaubwürdigkeit von Informationen, Datenschutz, Privatsphäre und verantwortungsvollem Umgang mit Bildern in sozialen Medien. Es gibt Videos und die Materialien können kostenfrei heruntergeladen werden. Am Ende der Einheiten gibt es Urkunden für die Schüler:innen.
- klicksafe.de: Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz bietet eine umfangreiche Materialbibliothek für alle Klassenstufen mit Unterrichtseinheiten zu Social-Media-Challenges, Pranks sowie zur Nutzung sozialer Medien inklusive der Gefahren.
- Bundeszentrale für politische Bildung: Das Begleitheft für Pädagog:innen zum Thema Social Media enthält praxistaugliche Übungsvorschläge sowie Impulse zur Reflexion und Vertiefung.
- App+on: klicksafe und ZDFtivi stellen mit „Sicher, kritisch und fair im Netz“ zehn medienpädagogische Videos mit passenden Unterrichtseinheiten zur Verfügung, die Themen wie Algorithmen, Online-Identität und kritisches Medienverhalten für Jugendliche greifbar machen.
