KI im Klassenzimmer: Woran es wirklich hakt

KI im Klassenzimmer: Woran es wirklich hakt
2
Sep.

Immer mehr Schüler:innen nutzen KI schon beinahe routiniert für die Hausaufgaben oder zur Vorbereitung auf Klassenarbeiten und Vorträge. Auch Lehrkräfte setzen vermehrt digitale Technologien ein, zur Routine geworden ist es bei den meisten von ihnen allerdings noch nicht, wie eine aktuelle Umfrage des Branchenverbands Bitkom zeigt. Der Grund dafür liegt weniger am fehlenden Willen im Kollegium als an der Ausstattung der Schulen selbst.

Ein Beitrag von Silke Panten 

Ein Kollegium zwischen Aufbruch und Ausbremsung

58 Prozent der Lehrkräfte nutzen KI inzwischen für schulische Zwecke, gleichzeitig kann sich jede fünfte Lehrkraft nicht vorstellen, KI überhaupt einmal zu verwenden; das zeigt eine Bitkom-Befragung von 501 Lehrkräften der Sekundarstufen I und II. Diejenigen, die KI nutzen, tun es vor allem, um Schüler:innen den Umgang mit den Tools zu erklären, zur Wissensvermittlung und zur Vorbereitung des Unterrichts. Trotzdem arbeitet nur jede zwanzigste Lehrkraft täglich mit KI, ein gutes Viertel seltener als einmal pro Woche.

Der Grund dafür zeigt sich, sobald man nach der Ausstattung fragt: Nur 48 Prozent der Lehrkräfte bewerten die technische Ausstattung ihrer Schule als gut, etwa genauso viele als schlecht. Bei der Einschätzung der digitalen Kompetenzen im Kollegium sieht die Verteilung ähnlich zweigeteilt aus.

Schatten-KI statt Schullizenz

Besonders deutlich wird die Ausstattungslücke bei den Lizenzen: Nur 46 Prozent der Lehrkräfte bekommen ein KI-Tool bzw. eine entsprechende Lizenz offiziell von ihrer Schule gestellt. Ein Viertel greift deshalb auf private Accounts zurück, teils zusätzlich, teils sogar ausschließlich. Diese Schatten-KI ist nur eines von vielen Symptomen einer Infrastruktur, die dem tatsächlichen Bedarf hinterherhinkt. Bitkom resümiert, ein KI-Aktionsplan der Länder sei nötig, mit geprüften, datenschutzkonformen Tools und einem Jahresbudget von 15 Euro pro Schüler:in, damit nicht länger jede Schule und jede Lehrkraft einzeln improvisieren muss.

Überlastung statt Entlastung

Dass hier politischer Nachholbedarf besteht, sehen die Lehrkräfte selbst so: 80 Prozent halten die politische Unterstützung für digitale Bildung für unzureichend, 83 Prozent sehen Deutschland im internationalen Vergleich zurückliegen. Gleichzeitig berichten ähnlich viele Lehrkräfte von Überlastung im Schulalltag, ein deutlicher Anstieg gegenüber 2024. Digitalisierung trifft also nicht auf ein entspanntes System, das freie Kapazitäten für Neues hat, sondern kommt zusätzlich zu bestehenden Belastungen hinzu.

Heilmittel Digitalpakt 2.0?

Steht und fällt also alles mit dem Digitalpakt 2.0? Das kann man so nicht sagen. Der im Dezember 2025 beschlossene Nachfolger des ersten DigitalPakts bringt bis 2030 fünf Milliarden Euro, je zur Hälfte von Bund und Ländern, und setzt anders als sein Vorgänger nicht mehr nur auf Hardware, sondern explizit auch auf Fortbildung, IT-Support und pädagogische Konzepte, könnte also genau jene Lücken schließen, die die Bitkom-Zahlen offenlegen. Doch der erste Digitalpakt zeigt, wie viel zwischen Ankündigung und Klassenzimmer schiefgehen kann: zu bürokratische Antragsverfahren, schleppender Mittelabfluss, ungleiche Verteilung zwischen den Bundesländern. Es kann also dauern, bis das Geld wirklich in den Klassenzimmern ankommt. Und mit jedem Tag, der so vergeht, bleiben Schüler:innen und Lehrkräfte im Umgang mit KI weiterhin auf sich selbst gestellt.

Fazit: Die Bereitschaft zur Nutzung von KI im Klassenzimmer ist da, wie die Bitkom-Zahlen zeigen. Was jetzt fehlt, ist Tempo bei der Umsetzung, nicht Überzeugungsarbeit im Kollegium.