Die JIM-Studie 2025 bestätigt erneut, wie sehr digitale Medien den Alltag junger Menschen prägen. Seit 1998 untersucht der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) jährlich das Medienverhalten von Jugendlichen. Für die aktuelle Ausgabe wurden zwischen dem 2. Juni und dem 12. Juli 2025 insgesamt 1.200 Jugendliche im Alter von zwölf bis 19 Jahren befragt – jeweils zur Hälfte telefonisch und online.
Ausstattung & Gerätebesitz
Nahezu alle Haushalte mit Jugendlichen verfügen über Smartphones, Computer oder Laptops sowie Fernseher. Auch Tablets, Smart-TVs, Radiogeräte und stationäre Spielekonsolen sind weit verbreitet. Das Smartphone bleibt mit 95 % persönlichem Besitz das zentrale Gerät im Jugendalltag. Etwa zwei Drittel besitzen ein eigenes Tablet, knapp die Hälfte ein Fernsehgerät oder eine stationäre Konsole. Bei vielen Endgeräten zeigt sich 2025 ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr – einzige Ausnahme sind Tablets mit einem Wachstum von vier Prozentpunkten.
Nutzung von Medien & Freizeitaktivitäten
Beim Blick auf die Freizeit zeigt sich ein bemerkenswerter Wandel: Erstmals steht Sport (69 %) vor dem Treffen mit Freund*innen (64 %). Die am häufigsten genutzten Medienangebote bleiben das Internet (96 %) und Musik (93 %). Jugendliche schauen häufig Videos im Netz (83 %), spielen digitale Games oder greifen auf Streamingdienste zu – jeweils rund 70 % tun das mehrmals pro Woche. Tablets nutzen sechs von zehn Befragten regelmäßig.
Auch das Lesen bleibt präsent: 84 % greifen zumindest gelegentlich zum Buch. Die Lesedauer sinkt allerdings deutlich auf durchschnittlich 49 Minuten pro Werktag (2024: 61 Minuten). Mädchen lesen häufiger und länger als Jungen. E-Books bleiben weiterhin ein Nischenthema.
Musik, Audio & Streaming
Musikstreaming-Abos sind so verbreitet wie nie zuvor: 89 % der Jugendlichen haben Zugang zu entsprechenden Diensten. Die tägliche Hördauer steigt stark an und liegt im Schnitt bei 136 Minuten – 21 Minuten mehr als im Vorjahr. Radiosender hören 51 % regelmäßig, Podcasts rund ein Viertel (durchschnittlich 46 Minuten täglich), wobei Comedy- und Wissensformate dominieren.
Beim Videostreaming dominiert YouTube als beliebteste Plattform: Zwei Drittel nutzen sie regelmäßig. Netflix erreicht etwa die Hälfte der Jugendlichen, während das lineare Fernsehen und Amazon Prime Video an Bedeutung verlieren. Die geschätzte tägliche Streamingzeit liegt bei 109 Minuten und steigt mit dem Alter deutlich.
Smartphone: Nutzungsdauer, Apps & Selbstregulation
Das Smartphone bleibt das wichtigste Tor zur digitalen Welt. Die durchschnittliche Bildschirmzeit liegt bei 231 Minuten pro Tag; sie reicht von 166 Minuten bei den Jüngsten bis zu fast fünf Stunden bei Volljährigen. Gleichzeitig fällt vielen Jugendlichen die Selbstkontrolle schwer: 68 % geben an, länger am Handy zu bleiben als geplant, und 29 % sind morgens häufig müde, weil sie nachts zu lange online waren.
Unter den Apps führt WhatsApp unverändert mit 96 % regelmäßiger Nutzung. Dahinter folgen Instagram (63 %) und ein wiedererstarktes Snapchat (56 %). TikTok nutzen 53 %, Discord und Pinterest jeweils rund 20 %. Bei der intensiven Mehrfachnutzung pro Tag steigen alle großen Apps teilweise deutlich.
Information, Nachrichten & Themeninteressen
Die Themen, die Jugendliche am meisten beschäftigen, bleiben stabil: Kriege und Konflikte führen deutlich (55 %), gefolgt von Umwelt- und Klimafragen. Politik – besonders Entwicklungen in den USA – interessiert etwa ein Fünftel der Befragten.
Über das aktuelle Weltgeschehen erfahren Jugendliche vor allem durch Gespräche im Familien- und Freundeskreis sowie durch Nachrichten im Radio und Fernsehen. Bei eigener Recherche stehen Suchmaschinen an erster Stelle, gefolgt von ChatGPT, YouTube und klassischen Websites.
Gaming
94 % der Jugendlichen spielen zumindest gelegentlich digitale Spiele – Jungen deutlich häufiger als Mädchen. Gamer*innen investieren rund sieben Euro pro Monat in ihr Hobby, und über alle Befragten hinweg beläuft sich die tägliche durchschnittliche Gamingdauer auf 88 Minuten.
Probleme im digitalen Raum
Online stoßen Jugendliche regelmäßig auf belastende Inhalte: Zwei Drittel begegnen Fake News, viele berichten von Beleidigungen, extremen politischen Ansichten, Hassbotschaften oder Verschwörungstheorien. Rund ein Drittel hat erlebt, dass jemand aus dem eigenen Umfeld online fertiggemacht wurde; 10 % waren selbst schon betroffen.
KI im Alltag: ChatGPT, Gemini & Co.
Künstliche Intelligenz ist 2025 endgültig im Alltag der Jugendlichen angekommen. 84 % haben ChatGPT genutzt – ein enormer Anstieg um 27 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Google Gemini und Meta AI liegen auf den Plätzen dahinter, ebenfalls mit beachtlicher Reichweite.
Wichtigste Einsatzfelder sind:
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Hausaufgaben & Lernen (74 %)
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Informationssuche (70 %; +27 PP)
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Erklärungen und Anleitungen (54 %; +19 PP)
Mehr als die Hälfte der Jugendlichen stuft KI-generierte Inhalte als vertrauenswürdig ein. Für klicksafe und mpfs ergibt sich daraus ein klarer Auftrag: Medien- und Nachrichtenkompetenz muss angesichts KI-gestützter Informationen neu gedacht werden. Jugendliche – ebenso wie Erwachsene – müssen lernen, KI-Inhalte zu erkennen, kritisch zu hinterfragen und die Grenzen der Systeme zu verstehen.
Blick in die Zukunft
Beim Blick nach vorn zeigen sich Jugendliche ambivalent: Viele freuen sich auf persönliche und schulische Meilensteine wie Abschluss, Studium oder Ausbildung (32 %). Auch der Wunsch nach mehr Selbstständigkeit – etwa durch Umzug oder Job – spielt eine wichtige Rolle. Gleichzeitig bereitet das Weltgeschehen 41 % der Jugendlichen deutliche Sorgen.
