Wie Hausaufgaben trotz KI aussagekräftig bleiben

Wie Hausaufgaben trotz KI aussagekräftig bleiben
5
Aug.

Seit ChatGPT und ähnliche KI-Tools im Schulalltag angekommen sind, stellt sich für viele Lehrkräfte die Frage: Wie lässt sich noch feststellen, was Schüler:innen wirklich selbst können und welche Hausaufgaben oder Referate sie von ChatGPT haben anfertigen lassen?

Ein Beitrag von Silke Panten 

KI ist längst Alltag

Die JIM-Studie 2025 zeigt: 74 Prozent der Schüler:innen nutzen KI für schulische Zwecke, Tendenz steigend. Der Großteil setzt dabei auf ChatGPT. Gleichzeitig befürchten laut Vodafone-Studie viele Schüler:innen, dass ihre eigene Leistung nicht von der der KI unterschieden werden kann. Die Sorge besteht also nicht nur bei den Lehrkräften.

Warum reines Verbieten nicht funktioniert

Auch der OECD-Bericht „Digital Education Outlook 2026“ macht deutlich, dass KI im Bildungsbereich längst keine Randerscheinung mehr ist. Der Bericht zeigt zudem auf, dass Lernen mit KI nicht automatisch zu besseren Prüfungsergebnissen führt, im Gegenteil. Während die Leistung bei den Schüler:innen beim Üben mit KI sprunghaft ansteigt, sinkt sie, sobald eine Prüfung ohne KI-Hilfe geschrieben werden muss.

Statt KI aus dem Unterricht zu verbannen, empfiehlt die OECD, Aufgabenformate so zu gestalten, dass Lehrkräfte die Interaktion zwischen Schüler:innen und KI aktiv begleiten und sichtbar machen können. Aufgaben müssen also „KI-fest“ gemacht werden, das bedeutet, nicht das Ergebnis allein zählt, sondern der nachvollziehbare Weg dorthin.

Bausteine für „KI-feste“ Aufgaben

Konkrete Bausteine für den eigenen Unterricht könnten die folgenden sein:

  • Prozessdokumentation: Schüler:innen halten Zwischenschritte, Entwürfe und Korrekturen fest, nicht nur das fertige Ergebnis.
  • Peer-Review: Mitschüler:innen bewerten Zwischenstände und geben Feedback, bevor die finale Version entsteht.
  • Mündliche Reflexion: Eine kurze Rücksprache klärt, welche Entscheidungen die Schüler:innen selbst getroffen haben und wo KI unterstützt hat.
  • Individualisierte Themen: Persönliche Bezüge oder aktuelle Klassenkontexte erschweren das bloße Kopieren von KI-Antworten.
  • Transparente Regeln: Vorab wird gemeinsam mit der Klasse festgelegt, welche KI-Nutzung erlaubt ist.

Statt der klassischen Aufgabe „Schreibe eine Erörterung zu Thema X“ könnte eine KI-feste Variante so aussehen: Schüler:innen recherchieren zunächst drei Quellen, erstellen ein Thesenpapier, tauschen sich im Peer-Review aus und besprechen am Ende, an welchen Stellen KI geholfen hat und wo eigene Entscheidungen nötig waren. Im Fremdsprachenunterricht können KI-Rollenspiele und Dialogformate genutzt werden, um Sprachproduktion sichtbar und nachvollziehbar zu machen.

Praxisbeispiel aus dem Unterricht

Wie das im Deutsch- und Mathematikunterricht der Sekundarstufe I aussehen kann, zeigen erste Praxisbeispiele aus Nordrhein-Westfalen. So unterstützt das KI-Forschungsvorhaben „KIMADU“ des Ministeriums für Schule und Bildung und der Universität Siegen Schulen dabei, generative KI lernförderlich einzusetzen. Dafür stellt es verschiedene Arbeitshilfen in Form von sogenannten KI- und didaktischen Agenten zur Verfügung, etwa einen „Prompting-Unterstützer“ für Lehrkräfte und Lernende, der den Umgang mit KI reflektiert begleitet, statt ihn zu verstecken.

Fazit

Am Ende geht es nicht darum, Schüler:innen und KI gegeneinander auszuspielen, sondern den Blickwinkel zu verschieben. Es geht nicht darum, ob die KI mitgeschrieben hat, sondern darum, was die Schüler:innen daraus gemacht haben. Wenn KI nicht mehr heimlich, sondern bewusst und lernförderlich eingesetzt wird, werden auch Hausaufgaben im KI-Zeitalter noch etwas über echtes Können verraten.