Datenschutzbestimmungen für Schulen

Datenschutzbestimmungen für Schulen
6
Mrz

Regelungen auf unterschiedlichen Ebenen

Für deutsche Schulen gelten spezifische Datenschutzbestimmungen, die je nach Bundesland jedoch etwas unterschiedlich ausgeprägt sind. Hintergrund für diese gesetzlichen Regelungen ist die Notwendigkeit, personenbezogene Daten von Schülerinnen und Schülern datenschutzrechtlich korrekt zu verwalten, damit kein Unfug damit betrieben werden kann. Dies war traditionell eigentlich kein Problem, da personenbezogene Daten – wozu übrigens auch Hausaufgaben und Facharbeiten zählen – fast nur in Papierform vorlagen. Die Anbindung von Schulen an das Internet sowie die Nutzung von Learning Management Systemen und Schulverwaltungssoftware hat jedoch eine neue Dimension in diesen Bereich gebracht. Da digitalisierte Daten in Netzwerken häufig verteilt werden und damit prinzipiell vielen anderen zugänglich sind, ist der Umgang mit personenbezogenen Daten hier sensibler zu handhaben. Die meisten deutschen Datenschutzbestimmungen beinhalten für den Gebrauch schulischer Daten konkrete Vorgaben. Grundsätzlich lassen sich unterschiedliche Ebenen unterscheiden, in denen entsprechende Daten anfallen und Regelungen zum Umgang mit diesen Daten notwendig werden.

Ebene 1: Schulleitung und Verwaltung

Die erste Ebene betrifft die Schulleitung, bei der Daten über Schülerinnen und Schülern und manchmal auch über das Personal gesammelt werden. Hierbei sind die entsprechenden Verfahrensvorschriften zu beachten und meist auch gegenüber der Datenschutzbehörde zu dokumentieren. Dies betrifft nicht nur die dazu verwendeten Geräte und Programme, sondern auch die Regelung der Zugänge zu diesen Daten sowie die Archivierung und Löschung derselben. Auch der Austausch von Daten mit anderen Schulen beim Schulwechsel eines Schülers muss datenschutzrechtlich beachtet werden.

Ebene 2: Lehrerinnen und Lehrer

Mit der Verwaltung von klassenbezogenen Daten durch die einzelnen Lehrpersonen ist die zweite Ebene gemeint. Dabei sind neben dem traditionellen Klassenbuch auch die neueren Formen der Verwaltung schülerbezogenen Daten in digitaler Form zu beachten, wie sie vielfältig in Schülerverwaltungsprogrammen angeboten werden. Besonders sensibel und klar geregelt bzw. zu regeln ist der Fall, wenn solche Programme, in denen etwa auch die Hausaufgaben und Tests der Schülerinnen und Schüler mit dazugehörigen Noten gesammelt werden, auf privaten Geräten genutzt werden. Hier ist durch Zugangskontrollen oder Passwörter sicherzustellen, dass keine anderen Personen an die Daten gelangen können. Dieser Bereich wird in Zukunft noch stärkere datenschutzrechtliche Beachtung finden müssen, wenn verstärkt Learning Management Systeme wie Moodle oder „its learning“ in Schulen eingesetzt werden.

Ebene 3: Schule in der Öffentlichkeit

Der dritte Bereich betrifft die öffentliche Darstellung der Schule im Internet sowie in Sozialen Online-Netzwerken. Ohne Einverständniserklärungen von Eltern dürfen etwa Fotos von Schülerinnen und Schülern, die dort eindeutig identifizierbar sind, z. B. nicht auf der Homepage veröffentlicht werden. Ganz allgemein kann man sagen, dass aktuell schul- und personenbezogenen Daten an öffentlichen Schulen – bei privaten Schulen gibt es Ausnahmen – nur auf Servern gelagert werden dürfen, die in Deutschland gehostet werden. Dies trifft etwa auf alle auf Schulservern eingerichtete Programme zu sowie auf durch Länder, Landesmedienzentren oder Bildungsserver zur Verfügung gestellte Server zu, nicht jedoch für die großen Medienunternehmen wie Google, Apple oder Microsoft. Deren Daten werden zz. nicht in Deutschland, sondern im Ausland gelagert und unterliegen dementsprechend nicht den deutschen Datenschutzbestimmungen.

Ausblick

Schaut man sich die Datenschutzregelungen für Schulen in den Bundesländern genauer an, dann fällt auf, dass diese den aktuellen Entwicklungen hinterherhinken und teilweise über zehn Jahre alt sind. Eine Aktualisierung wäre hier dringend notwendig.

Links

Übersicht über Datenschutzregelungen in den einzelnen Bundesländern
www.lo-recht.de/linksammlung-datenschutz.php

Übersicht zum Thema Datenschutz für Schülerinnen und Schüler
www.youngdata.de

Übersicht über die zentralen Aspekte des Datenschutzes des Landesbeauftragten für den Datenschutz Mecklenburg-Vorpommern (Datei „OH Datenschutz und Internet in der Schule“)
www.datenschutz-mv.de/datenschutz/publikationen/download.html

Informationen zu Datenschutzregelungen verschiedener Bundesländer
www.sn.schule.de/
www.datenschutz.rlp.de/
www.schulministerium.nrw.de/
www.datenschutzzentrum.de/faq/schule2.htm#i5
www.hamburg.de/contentblob/64474/data/bbs-gs-neuesschulgesetz.pdf
www.datenschutz.hessen.de/downloads/173.pdf
www.lfd.niedersachsen.de/

 

Stefan Aufenanger
aufenanger_16Stefan Aufenanger ist Professor für Erziehungswissenschaft und Medienpädagogik an der Universität Mainz. Er forscht u.a. Zum Einsatz von Tablets in Kindergarten, Schule und Hochschule und interessiert sich für innovative Schulmodelle. Er ist Mit-Herausgeber der Zeitschrift Computer+Unterricht sowie Mitglied des Beirats der Stiftung Digitale Spielkultur.

Mehr unter www.aufenanger.de

Dieser Artikel ist in der Computer + Unterricht Nr. 101/2016 mit dem Themenschwerpunkt „Lehrerarbeit digital organisieren“ erschienen.