ChatGPT im Unterricht einsetzen – ein Ideenpool

ChatGPT im Unterricht einsetzen – ein Ideenpool
6
Mai

Das Schulbarometer der Robert-Bosch-Stiftung, für das mehr als 1.500 Lehrkräfte befragt wurden, zeigt, dass sich über 60 Prozent der Lehrkräfte im Umgang mit KI unsicher fühlen. Viele befürchten, dass Schüler:innen das kritische Denken verlieren oder einfach abschreiben, und so nutzen zwei Drittel aller Lehrkräfte KI im Unterricht selten bis nie. Dabei ist es für die Generation ChatGPT gerade jetzt so wichtig, einen idealerweise begleiteten Umgang zu erlernen.

Ein Beitrag von Silke Panten 

Von der moralischen Frage zur Unterrichtspraxis

Im vergangenen Beitrag ging es um Deepfakes und digitale Gewalt, also um die Frage, welche ethischen und moralischen Herausforderungen mit KI verbunden sind. Das ist wichtig, um die Technologie nicht nur als Werkzeug, sondern auch als gesellschaftliche Herausforderung zu verstehen. Gleichzeitig wissen viele Schüler:innen und Lehrkräfte noch nicht genau, wie KI so eingesetzt werden kann, dass sie sowohl Lernprozesse unterstützt als auch zu einem reflektierten Umgang anleitet

Viele Lehrkräfte sind unsicher

„Kein ChatGPT nutzen!“ oder „Maximal 400 Wörter!“, sind daher nicht selten ausgesprochene Anweisungen von Lehrkräften, wenn es um Hausaufgaben geht. Oftmals werden sie aus purer Unsicherheit verhängt. Die Sorge ist natürlich nachvollziehbar: Wenn ChatGPT Romane schreibt und auf alles eine Antwort hat, wie soll man dann noch die individuelle Leistung bewerten oder Lernfortschritte erkennen?
Auf der anderen Seite stehen Schüler:innen, die den Umgang mit KI lernen wollen. Sie wollen nicht, dass ihnen alles abgenommen wird, sondern möchten wissen, wie man ChatGPT und Co. als gute Lernhilfe nutzen kann. Eine Vodafone-Studie zeigt: 74 Prozent der Jugendlichen nutzen KI ohnehin privat für schulische Zwecke. Statt also ein Generalverbot zu verhängen, lohnt es sich, konkrete Aufgaben zu gestalten, bei denen KI bewusst genutzt und geprüft wird. Hier ein paar Inspirationen

Deutsch

Im Deutschunterricht kann ChatGPT als Schreibpartner eingesetzt werden. Die Schüler:innen schreiben zum Beispiel den Anfang einer Geschichte und bitten die KI, diese fortzuführen. Anschließend übernehmen sie wieder selbst, reagieren auf die Wendung der Handlung und prüfen, ob Stil, Logik und Spannung wirklich zu ihrem Text passen. So entsteht kein fertiger KI-Text, sondern die Schüler:innen werden selbst kreativ und stärken zusätzlich ihre Urteilskraft.
Ebenfalls wirksam ist die Textüberarbeitung mit KI. Die Lernenden verfassen zunächst einen eigenen Text und lassen sich dann von ChatGPT sprachliche Verbesserungen vorschlagen. Danach entscheiden sie bewusst, welche Ideen sie übernehmen, welche sie ablehnen und warum. Diese Übung fördert das Sprachbewusstsein, denn Schüler:innen lernen, Texte nicht nur zu produzieren, sondern auch in ihrer Wirkung zu prüfen.

Gesellschaftswissenschaften

In den Fächern Politik oder Geschichte bietet sich eine Debatte mit der KI an. Die Klasse gibt ein Thema vor und erklärt ChatGPT die Rollenverteilung, etwa Pro-Argumente von der KI und Kontra-Argumente von den Schüler:innen. So trainieren die Lernenden, auf Gegenpositionen zu reagieren, ihre Argumente zu schärfen und nicht beim ersten Einfall stehenzubleiben.
Gewinnbringend ist auch ein Rolleninterview. Die KI übernimmt zum Beispiel die Perspektive einer historischen Person oder einer Figur aus einem Roman. Die Schüler:innen stellen Fragen, prüfen die Antworten kritisch und müssen entscheiden, wo die KI plausibel antwortet und wo sie Dinge erfindet oder vereinfacht. Damit lässt sich nicht nur Fachwissen vertiefen, sondern auch Quellenkritik und Nachfragen werden ganz praktisch geübt

Fremdsprachen

Im Fremdsprachenunterricht kann ChatGPT als Sprachpartner dienen. Die Schüler:innen führen kurze Dialoge mit der KI, lassen sich Vokabelhilfen geben oder spielen kleine Rollensituationen durch. Der besondere Mehrwert liegt darin, dass die Lernenden sowohl aktiv formulieren als auch nachsteuern. Zudem lernt man neue Vokabeln am besten, wenn man sie direkt praktisch anwendet, statt sie nur auswendig zu lernen.

Mathematik

Gerade in Mathematik kann KI helfen, Lösungswege schrittweise zu erklären. Die Schüler:innen lassen sich einen Rechenweg zeigen, vergleichen ihn mit ihrem eigenen und prüfen, ob jeder Schritt nachvollziehbar ist. Das ist besonders sinnvoll, wenn die KI nicht sofort die Endlösung liefern soll, sondern als erklärende Begleitung eingesetzt wird.

Für alle Fächer

Besonders alltagstauglich ist der Einsatz von KI, wenn Schüler:innen lernen, Prompts zu verbessern. Geben Sie eine ungenaue Eingabe vor und lassen Sie die Lernenden diese so schärfen, dass ChatGPT eine brauchbare Antwort liefern kann. Dabei erleben sie unmittelbar, dass gute Ergebnisse nicht zufällig entstehen, sondern von klaren Fragen, Zielen und Präzision abhängen.

Fazit

Der pädagogisch entscheidende Punkt ist nicht, ob KI im Unterricht „erlaubt“ ist, sondern wie sie genutzt wird. Denn zum Einsatz kommt sie spätestens zu Hause ohnehin. Die Schule kann viel bewirken, indem sie Aufgaben stellt, bei denen die Lernenden mit der KI arbeiten, vergleichen, begründen und reflektieren. So bleibt ChatGPT nicht länger ein Abkürzungswerkzeug, sondern wird zum Lernpartner, der unterstützt und inspiriert.